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Tantrische Begegnung - eine weibliche Perspektive auf die achtsame Sexualität

Aktualisiert: 11. Feb.

Wenn ich an achtsame, nährende Sexualität denke, dann denke ich nicht direkt an zwei Körper die sich sexuell verbinden, sondern an Gerüche, Blicke, Bewegung, Kontakt und Energie - die ich in meinem Körper wahrnehme. Als Kunst des Bewusstseins, die tief mit dem Körper verbunden ist und Zeit braucht.



Ich habe in nährenden Räumen üben dürfen, wie Herz-Begegnungen entstehen können. Durfte lernen, meinen Wahrnehmungen zu vertrauen, dem Herz die nötige Zeit zu geben, sich zu öffnen und den Kopf in eine sichere Verbindung mit dem Körper zu bringen. Es braucht Zeit und Raum, damit sich das Herz gegenüber bekannten und unbekannten Menschen öffnen kann und sich die Energie in einem nährenden Fluss bewegt, ohne etwas dazu tun zu müssen.


Ich war immer wieder erstaunt, viel Sicherheit mein Körper braucht, damit der Kopf loslassen kann. Erst danach war für mich möglich, die in der Gebährmutter erweckte Energie wahrzunehmen, die mein Becken warm werden liess. Ein nächster Schritt war, trotz dieser Energie in der Verbindung mit dem Gegenüber zu bleiben, der bekleidet und ohne Absicht mit liebevollem Blick vor mir sass.


Warum Sicherheit die Basis ist

Die sexuelle Energie ist eigentlich nur ein Ausdruck unserer Lebensenergie, dem Chi. Doch diese Kraft wird so sehr mit Prägungen, Erwartungen und Geschichten überlagert, dass sie oft weggedrückt oder in Handlung übersetzt wird, statt einfach als Lebenskraft im eigenen Körper zirkulieren zu können. Sie, als Motor unserer Schöpferkraft und tiefsten Wünsche, und wird oft missverstanden und fehlgeleitet.


In unserer Kultur wird Wachstum oft mit Grenzüberschreitung und Selbstabwertung verwechselt. Wie oft lese ich, dass wir alle „raus aus der Komfortzone“ gehen sollen, um zu wachsen. Es eine bessere Version von uns gebe und Selbstoptimierung nie aufhöre. Dies kann dazu führen, dass wir immer wieder Wahrnehmungen und Bedürfnisse wegdrücken und unsere gesunden Grenzen immer wieder überschreiten. Damit nehmen wir uns selbst die Grundlage, tief nährende Erfahrungen zu machen. Denn Begegnung und Verbindung funktionieren anders.


Bewegen wir uns zu lange ausserhalb unserer Komfortzone, schaltet das Nervensystem in den Überlebensmodus. Der Körper spannt sich an. Die Wahrnehmung verengt sich. Lust wird funktional oder verschwindet. Sexualität wird zu etwas, das „getan wird“, statt etwas, das entsteht und nährt.


Absichtslosigkeit ist der Anfang

Achtsame Sexualität beginnt deshalb oft mit Loslassen von Zielen, Idealen, Vorstellungen und Absichten. Und bedingt eine Klärung von dem, was sich sicher anfühlt mit der Erlaubnis, langsamer zu werden. Und oft mit dem Mut, wieder in die eigene Komfortzone zurückzukehren.


Der Entscheid, zurück in die Komfortzone zu gehen, war für mich der Wendepunkt. Als ich aufgehört habe, mich innerlich zu übergehen und lernte, die Stimme meines Körpers bewusster wahrnzunehmen, konnte ich Sicherheit als neuen Nährboden begreifen. Denn erst in der Komfortzone, weitet sich meine Wahrnehmung, wird Neugierde geweckt und kann ich aus einer tiefen Sicherheit heraus neue Erfahrungen machen.


Den eigenen Rhythmus finden

Wenn wir im Alltag gewohnt sind, Verantwortung zu tragen, Pflichten zu erfüllen und Lösungen zu finden, besteht die Gefahr, dass wir uns innerlich vom eigenen Rhythmus entfernen. Viel zu viel im TUN sind, statt einfach mal zu SEIN: Das mag mental und psychisch lange nicht auffallen - doch der Körper reagiert, wenn der Lebensrhythmus nicht mehr dem eigenen Flow entspricht. Oft weiss der Körper längst, dass etwas nicht mehr stimmt. Wir hören ihm nur zu wenig zu. Veränderung beginnt, wenn wir lernen die Sprache des Körpers zu verstehen. Nicht, um besser zu werden, sondern um wahrere zu sein. Um Schichten von Anspannung, Angst und Anpassung abzulegen - und so überhaupt erst nährenden Kontakt (wieder) zu ermöglichen.


Tantrische Begegnung liegt in der weiblichen Natur

Weil Kontakt eine sanfte Offenheit braucht, ist das Zulassen von Sinnlichkeit bei gleichzeitiger Grenz-Wahrnehmung eine Kernkompetenz, damit Begegnung tantrisch, achtsam und nährend werden kann. Wir Frauen haben den Vorteil, dass die Yoni (Vagina) mit uns spricht wie eine Blume, die sich nur unter bestimmten Voraussetzungen öffnet. Und wenn wir uns der YIN-Energie hingeben können, die vielen von uns von Natur aus zugänglich ist, so kann sich der Fokus verschieben. Weg vom Ziel der Sexualität, hin zur Hingabe an das, was jetzt gerade da ist und wahrgenommen werden kann. Können wir uns den Wahrnehmungen hingeben, kann ein Energiefluss entstehen, der uns in Wellen trägt. Voller Glitzer und Überraschungen. Diese Hingabe ist leise und kraftvoll. Sie lässt Kontrolle los und ermöglicht Berührung und Begegnung. Mit Themen die sich zeigen, Energien die sich mit sanftem Zittern aus dem Körper lösen und Bewegungen, die der Körper selbst macht als Ausdruck von dem, was gerade da ist. Ohne sich selbst zu korrigieren, sondern mit eigenen Grenzen, einem Tempo-Spiel das sich ergibt, um den Körper so anzunehmen, wie er sich heute zeigt. In dieser Annahme entsteht etwas, das tiefer geht als Lust: Vertrauen, Selbstkontakt und Verbindung, die nichts leisten oder beweisen muss.


Heute begleite ich Menschen genau auf diesem Weg: Zurück in den Körper, in die Wahrnehmung und den Kontakt. Hin zu einer Sexualität, die nährt.



Häufige Fragen – kurz beantwortet

Was ist Tantra?

Tantra ist eine alte Bewusstseinslehre, die Körper, Energie und Bewusstsein miteinander verbindet. Im Kern geht es dabei um Wahrnehmung, Verbindung und das Erleben von Lebendigkeit im Hier und Jetzt. Sexualität ist dabei ein möglicher Ausdruck dieser Lebendigkeit, jedoch nicht das Ziel. Viel mehr geht es darum, den Körper als ein Gefäss der Seele zu ehren und ein gesundes, bewusstes und erfülltes Leben zu führen.

Wie lerne ich die Sprache meines Körpers kennen?

Indem du langsamer wirst und beginnst zu spüren statt zu funktionieren. Dein Körper „spricht“ über Empfindungen: Weite oder Enge, Wärme oder Rückzug, Pulsieren, Lebendigkeit oder Stille. Diese Signale ernst zu nehmen – ohne sie zu bewerten oder zu übergehen – ist der erste Schritt in einen achtsamen Selbstkontakt.

Warum fühlt sich Langsamkeit manchmal unangenehm an?

Viele von uns sind es gewohnt, im Tun zu sein. Wenn wir langsamer werden, tauchen Empfindungen auf, die wir sonst übergehen. Das kann zunächst Unsicherheit auslösen – ist aber oft ein Zeichen, dass wir beginnen, uns wirklich wahrzunehmen.

Ist die Komfortzone wirklich etwas Positives?

Ja – wenn wir sie als sicheren Boden verstehen. In einem regulierten Nervensystem entsteht Neugier, Spiel und echte Begegnung. Wachstum aus Sicherheit heraus ist nachhaltiger als Wachstum aus Druck.

Warum fällt es mir schwer, Kontrolle loszulassen?

Kontrolle war oft eine Schutzstrategie. Sie hat uns geholfen, sicher zu bleiben. In achtsamer Sexualität geht es nicht darum, Kontrolle abrupt aufzugeben, sondern Schritt für Schritt Vertrauen aufzubauen – in uns selbst und in die Situation.

Kann achtsame Sexualität auch ohne Partner erfahren werden?

Unbedingt. Selbstkontakt ist die Grundlage. Über Atem, Berührung, Bewegung oder Meditation kann ein tiefer Zugang zur eigenen Lebendigkeit entstehen – unabhängig von einer Beziehung.

Wie beginne ich, wenn ich mich von meinem Körper abgeschnitten fühle?

Mit kleinen Schritten: bewusstem Atem, Wahrnehmung der Sinne, Bewegung und Kontakt. Du kannst beispielsweise folgende Sensory Awareness-Übung machen:


  1. Beobachte deinen Atem – wie fühlt sich der Körper beim Ein- und Ausatmen an?

  2. Verbinde dich mit deiner Umgebung – was nimmst du wahr? Welche Details fallen auf?

  3. Konzentriere dich der Reihe nach auf die einzelnen VAKOG-Sinne: visuell/sehen, akustisch/hören, kinästhetisch/spüren, olfaktorisch/riechen, gustatorisch/schmecken

  4. Versuche nun, deinen Körper möglichst langsam zu bewegen. Was nimmst du wahr? Welcher Muskel bewegt sich? Welche Sinne sind involviert? Was verändert sich?


Es geht dabei nicht darum, etwas zu erreichen – sondern wieder in Kontakt zu kommen.




Die Rückkehr in den Selbstkontakt ist der Anfang einer tiefen, verkörperten Freiheit. Und vielleicht genau das, wonach wir uns insgeheim am meisten sehnen. Mehr Informationen zu meiner Arbeit in der Tantrischen Sexualberatung, findest du hier: Tantrische Sexualberatung Bern.



Dieser Blog-Beitrag ist ein Teil der Zusammenarbeit mit Markus Mühlbacher von Healing Bodywork (www.healing-bodywork.ch). Am Mittwoch, 25.02.2026 findet ein geimeinsamer Online "Intimate Room" statt, in dem wir gemeinsam in das Thema eintauchen.


Wenn du dabei sein magst, melde dich gerne hier an: https://fb.me/e/6tU8RKlet


Die Sicht des Mannes auf achtsame Sexualität findest du ab dem 18.02.2026 auf dieser Seite hier: https://www.facebook.com/share/1DssUHazqR/



Wenn du dir eine persönliche Begleitung wünschst, aber noch unsicher bist, melde dich gerne für ein Online-Erstgespräch. Wir klären, was du brauchst – und wie es für dich leicht weitergeht.


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Herzlicher Gruss

Oriana Chiandusso

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